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Reizverarbeitung – kleine Hilfsmittel, große Wirkung

Autor: Stefanie Groeneveld - van Hout

Orthopädagoge

Eine schnelle, hektische Welt

Wir leben in einer schnelllebigen Welt. Es gibt viele Informationen, viele Reize und wenig echte Pausen: Schultage sind voll, Bildschirme sind überall, Terminkalender sind schnell gefüllt, und auch zu Hause gibt es oft einen "Ein"-Modus (Non-Stop-Geräusche, Licht, Spielzeug, Erwartungen und sogenannte "Muss"-Aufgaben).

Von Kindern wird verlangt, dass sie schnell umschalten, sich anpassen und dabei weiterlernen und sozial funktionieren können. Für immer mehr Kinder ist das schlichtweg zu viel. Ihr Gehirn nimmt so viel auf, dass es Schwierigkeiten haben kann, Reize zu filtern, zu verarbeiten und wieder zur Ruhe zu kommen. Das zeigt sich im Verhalten, in der Konzentration, den Emotionen und beim Einschlafen (und Durchschlafen).


Reizverarbeitung

Merken Sie, dass Ihr Kind schnell überfordert ist, "angeschaltet" bleibt oder Schwierigkeiten hat, sich zu konzentrieren und still zu sitzen? Das kann mit der Reizverarbeitung zusammenhängen: die Art und Weise, wie jemand Reize (Geräusche, Hektik, Berührung, Bewegung, Emotionen) verarbeitet und darauf reagiert.

Bei Unterstimulation sucht ein Kind oft zusätzliche Anregung. Denken Sie an: Zappeln, Wippen, Beißen, Geräusche machen, alles anfassen. Bei Überstimulation kann sich ein Kind zurückziehen, emotional heftig reagieren oder überaktives Verhalten zeigen.

Ein bekanntes Beispiel: Ein Kind, das ständig an einem Pullover zappelt, auf einem Bleistift kaut oder mit den Beinen wippt, ist oft nicht "nur unruhig". Verhalten hat eine Funktion, es ist nützlich. Es kann gerade eine Möglichkeit sein, sich selbst zu regulieren. Durch einen passenden Reiz (etwas fühlen, drücken, beißen, zappeln oder bewegen) kann das Gehirn besser "auf Niveau" kommen und das Zuhören, Fokussieren, Lernen und Zusammenarbeiten wird manchmal einfacher. Sensorische Hilfsmittel können dabei hilfreich sein, und ich habe sie bei meiner Arbeit immer auf dem Tisch liegen.

Hilfsmittel

Was ich in der Praxis immer wieder sehe: Kinder nehmen sich selbst das, was zu ihnen passt, und nutzen es genau in den Momenten, in denen es nötig ist. Diese Hilfsmittel sind nicht umsonst beliebt. Sie geben Kindern etwas Konkretes in die Hand, um Spannung abzubauen, den Fokus zu halten oder zur Ruhe zu kommen.

Deshalb habe ich in Zusammenarbeit mit Tanja einen Reizbeutel zusammengestellt: ein kleines Probierset mit verschiedenen Arten sensorischer Hilfsmittel. So kann jedes Kind entdecken, was angenehm ist, denn jeder ist anders. Wo das eine Kind durch etwas Weiches zum Fühlen entspannt, profitiert das andere gerade vom festen Drücken, Drehen oder einem subtilen Bewegungsimpuls. Das Ziel ist nicht, Verhalten "wegzubekommen", sondern Ihrem Kind zu helfen, sich auf passende Weise selbst zu regulieren.

Ausprobieren

Gerade dieses Ausprobieren ist so wertvoll, denn jedes Nervensystem reagiert anders auf Reize. Was heute hilft, kann morgen schon wieder anders sein. Nach einem anstrengenden Schultag braucht ein Kind wahrscheinlich etwas anderes als am Wochenende. Indem Sie gemeinsam entdecken, was funktioniert, bekommt Ihr Kind Worte und Werkzeuge, um sich selbst immer besser zu verstehen und zu steuern.

Wann kann das Reizbeutelchen helfen? Zum Beispiel bei:

·         Hausaufgaben oder einem Moment der Konzentration

·         Nach der Schule zum Abregen

·         Warten (im Auto, beim Arzt, im Restaurant)

·         Aufregende Momente oder Veränderungen (im Zahnarztstuhl)

·         Während eines ruhigen Spielmoments, um die Hände zu beschäftigen (während eines Films)

Was ist im Reizbeutelchen enthalten?

Es sind 6 Produkte im Beutelchen:

·         Balance-Fingervogel: ein kleines Balance-Spielzeug, das zu ruhigen Bewegungen und zum Betrachten einlädt. Hilft beim Verlangsamen und kann die Aufmerksamkeit unterstützen.

·         Verschiedene Quetschbälle: zum Drücken und Druckgeben. Besonders gut bei Unterstimulation: Starker Druck kann helfen, "wach" zu werden und besser zuzuhören. Auch der Tiefendruck hilft vielen Kindern, Anspannung abzubauen.

·         Akupressurringe: geben einen deutlichen Tast- und Druckreiz um die Finger. Wirkt oft angenehm als Stressabbau und als subtiles Zappelmaterial.

·         Magnetscheiben: zum Zappeln und Suchen von Tastempfindungen. Das Klicken und das "Fest-/Loslassen" kann bei der Regulation hilfreich sein.

·         Squish Maze: ein sensorischer Reiz durch Sehen, Fühlen und das sanfte Geräusch. Gut für Kinder, die von mehreren Reizen gleichzeitig profitieren, um sich zu entladen.

Es kann vorkommen, dass ein Produkt vorübergehend nicht lieferbar ist. Dann wird sorgfältig ein Ersatz gesucht, damit das Paket immer genügend Abwechslung bietet.

Tipp: Lassen Sie Ihr Kind die Hilfsmittel zuerst in einem ruhigen Moment erkunden. So lernt es, was angenehm ist, damit der Beutel später auch wirklich in aufregenden oder hektischen Momenten helfen kann.

So verwenden Sie es: Legen Sie den Beutel an einen festen Platz (z. B. in einer Ecke des Sofas oder neben dem Bett), um zur Ruhe zu kommen oder besser aufzupassen. Indem der Beutel an einem festen (ruhigen) Ort liegt, hat das Kind auch immer einen Rückzugsort, zum Beispiel bei Traurigkeit oder Wut. Was funktioniert, können Sie dann öfter und gezielt einsetzen. Der Beutel ist auch praktisch zum Mitnehmen, zum Beispiel bei einem geschäftigen Geburtstag (um sich kurz zurückzuziehen), bei einem aufregenden Zahnarztbesuch oder während einer langen Autofahrt. Auch immer mehr Schulen nutzen solche Hilfsmittel, da sie einigen Kindern helfen, die Konzentration zu verbessern oder bei Unterstimulation Unruhe zu reduzieren.

Neugierig geworden? Mit dem Reizbeutel geben Sie Ihrem Kind eine sichere, niederschwellige Möglichkeit, zu entdecken, welche Reize helfen. Balance, Druck, Tasten oder eine Kombination von Sinnen. Bestellen Sie den Reizbeutel und probieren Sie gemeinsam aus, was für Sie funktioniert.

Hinweis: Das Reizbeutelchen ist ein unterstützendes Hilfsmittel und kein Ersatz für (ortho)pädagogische Begleitung oder Behandlung. Bei anhaltenden Sorgen bezüglich Verhalten, Anspannung oder Entwicklung ist es immer ratsam, dies mit einem Fachmann zu besprechen.


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